demoSlam in Frankfurt am Main: auf den zweiten Blick

Beim demoSlam tauschen wir, junge Menschen aus Russland und Deutschland, uns über unsere Werteverständnisse aus. Wir diskutieren, erkennen Parallelen, machen Unterschiede ausfindig. Kurzum, wir lernen uns kennen. Die Grundlage der Diskussionen sind persönliche Erlebnisse und Erfahrungen. Die Ergebnisse präsentieren wir in einem humorvollen Slam. Davon konnten sich die Besucher am 25. Februar 2019 in Frankfurt am Main selbst ein Bild machen. Das Hertie Innovationskolleg lud zu einem besonderen demoSlam mit uns, sechs erfahrenen SlammerInnen, ein. Wir waren bereits in Jekaterinburg und Dresden Ende 2018 aufgetreten. In Frankfurt sollten wir unsere Präsentationen – die kontroversesten der beiden Premieren – wiederholen. Die Themen des Austausches: Meinungsfreiheit, Patriotismus, Freiheit. Was bedeutet Patriotismus für Dich? Sind unsere Meinungen frei? Welche Macht haben Labels im deutsch-russischen Kontext? Diese Fragen diskutierten wir, sechs junge Menschen aus Russland und Deutschland, zunächst in Paaren hinter verschlossenen Türen und dann im Spielecafé Tumult im Frankfurter Bahnhofsviertel mit dem Publikum. Die Wiedersehensfreude beim Vorbereitungsworkshop war groß. „Wie geht es Dir? Wie hast du die letzten Monate seit dem letzten demoSlam verbracht? Hast du über unseren Auftritt beim ersten demoSlam nachgedacht? Wie hat es dich verändert?” Schnell wurde klar – einen Meinungs-Slam kann man nicht einfach wiederholen. Vieles ist seit dem ersten Auftritt passiert. Vieles haben wir seitdem reflektiert. Wir haben mit unseren Freunden und Verwandten in der Heimat über unsere Erkenntnisse beim demoSlam gesprochen. Damit haben wir auch sie zum Nachdenken angeregt. Gehört Patriotismus in Russland einfach dazu? Ja, sagten sie. Ist es ein Zeichen von Freiheit, in Russland nicht für Musik und Filme zu bezahlen? Nein, auf den zweiten Blick schränkt es die Freiheiten anderer ein. Warum ist es uns beim ersten Aufeinandertreffen so schwergefallen, miteinander zu sprechen? Die Labels, die wir uns gegenseitig gegeben haben, verhinderten, dass wir uns frei über unsere Meinungen austauschen konnten. Wir haben in Lagern gedacht. Doch dieses Mal ist es anders. Die Berührungsängste sind kleiner. Wir verstehen uns – kennen uns schon. Sind Freunde geworden. Das zeigten auch unsere Auftritte beim ganz besonderen demoSlam 2.0. Sie sprachen auf einer Metaebene über unseren ersten Slam, haben an Tiefe gewonnen. Der demoSlam in Frankfurt zeigt, wie wertvoll es ist, großen Themen Zeit zu geben, sie mit Abstand zu betrachten. Und ihnen einen zweiten Blick zu widmen Text: Johanna Verhoeven   Johanna Verhoeven nahm im Dezember 2018 an der Deutschlandpremiere des Formates demolSam in Dresden teil. Gemeinsam mit Alexandra Konkina slammte sie über das Thema Meinungsfreiheit. Johanna ist fasziniert von Russland. Sie studierte Russisch, durchreiste das riesige Land von Sankt Petersburg bis Wladiwostok und lebte ein halbes Jahr in Moskau zum Studium an der Higher School of Economics. Darüber hinaus untersuchte sie in ihrer Bachelorarbeit die Verwendung von Metaphern in der russischen Berichterstattung über die "Flüchtlingskrise" in Europa. Ihr Interesse für Medien brachte sie auch bei journalistischen Projekten wie dekoder oder n-ost ein. Zur Zeit arbeitet Johanna nach dem Abschluss ihres Slavistik-Studiums in einem Hamburger Startup und studiert den Master Kultur- und Medienmanagement.                  

Evgeniya Sayko

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